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Model-Info (1)- Was es mit "TfP / TfCD" auf sich hat

Auf dieser Seite versuche ich kurz, knapp und klar zu schildern, was diese Abkürzung eigentlich bedeutet und was tatsächlich dahinter steckt, also Inhalt, Rechte und Pflichten...


Die Abkürzung und die Historie

TfP ist die englische Abkürzung von Time for Photo, TfCD entsprechend von Time for CD. Dem Sinn und Inhalt nach übersetzt heißt es also "Zeit gegen Foto" oder "Zeit gegen CD". Geboren wurde diese Idee wahrscheinlich vor einigen Jahrzehnten in den USA, mit der sich eher mittellose Fotografen und eher mittellose Models gegenseitig unter die Arme griffen, um möglichst kostengünstig zu neuen Fotos zu kommen.

Das Model investiert seine Zeit und eigene Outfits, der Fotograf investiert seine Zeit und seine Ausrüstung. Beide machen gemeinsam ein Shooting mit vorher abgesprochenen Inhalt wie Portrait, People, Sports etc.. Wichtig ist: für dieses TfP heißt also nicht, das man auf einem "unteren" Niveau arbeitet, sondern ist eine ganz normale Form der Vertragsgestaltung im Amateur-Bereich der Fotografie (ein Amateur ist jemand, der mit seiner Tätigkeit kein Geld verdient, im Gegensatz zum Profi/Professional, der seine Tätigkeit berufsmässig zum Geldverdienen ausübt!). Gerade Anfänger-Models sind TfP-Shootings mit fortgeschrittenen Fotografen wärmsten zu empfehlen, damit sie Praxis, Praxis und Praxis bekommen. (Anfänger-Fotografen dagegen sollten vernünftigerweise mit Profi-Models zusammenarbeiten, die für ihr Geld eine entsprechende Leistung an Können beim Modeln mitbringen.) Eine ordentliche Serie an TfP-Shootings sind darum eine gute Referenz für die Sedcard eines Models.


Die Rechte

Zu klären ist, wie sich bei einem TfP-Shooting die Rechte an den gemachten Bildern verteilen.

Das Urheberrecht

Urheber ist grundsätzlich und nicht übertragbar immer der, der etwas erschafft oder erzeugt, also ein Werk hervorbringt. Im Fall des (TfP-)Shootings ist dies immer und einzig der Fotograf! Es macht in rechtlicher Sicht keinen Unterschied, ob er einen Baum oder einen Menschen fotografiert, er ist der Urheber des Fotos. Das Model oder Baum sind lediglich Bild-Teilnehmer, aber keine Mit-Urheber. Daraus erwächst übrigens kein (rechtlicher) Nachteil für das Model!
Hinweis nebenbei: Es gibt, gerade in Europa, kein Copyright - dieses gibt es nur im anglo-amerikanischen Raum. Wer also in Deutschland auf seine Fotos ein "(c)" stanzt, erreicht damit keine rechtliche Wirkung!

Das Verwertungsrecht (Model Release)

Dieses ist das wirklich wichtige Recht für den Fotografen und für das Model, weil das Verwertungsrecht regelt, was wer mit den Fotos machen darf. Für TfP gilt, weil diese Shooting-Form nicht-kommerziell ist, grundsätzlich: beide Parteien dürfen mit den Fotos jede Form der nicht-kommerziellen Weitergabe und Veröffentlichung nach eigenen Vorstellungen betreiben. Dies beinhaltet Eigenwerbung, Veröffentlichung im Internet (Foren etc.), Ausstellungen usw., aber keine Teilnahme an Wettbewerben (damit könnte ein kommerzieller Gewinn in Form eines Preises erzielt werden. Grundsätzlich sollten darum Ausnahmen jeder Art vertraglich schriftlich fixiert werden.) und natürlich kein Verkauf.

Das Namensrecht

Es liegt allein im freien Ermessen dessen, der ein TfP-Foto irgendwo veröffentlicht, ob er/sie den Namen des Models oder des Fotografen mit dem Foto veröffentlicht! Eine Verpflichtung zur Namensnennung kann bei TfP nicht hergestellt werden, die Namensnennung ist eine reine Gefälligkeit! (Und es sollte überdies ganz klar sein, dass der Fotograf den echten Namen seinens Models auf keinen Fall mit den Fotos veröffentlicht, sondern nur den Künstlernamen.)

Der Vertrag

Zu guter Letzt wird es bei TfP allein schon zur Absicherung der Verwertungsrechte immer einen Vertrag geben, der genau das regelt, worum es beim TfP-Shooting geht: wer wann mit wem welche Art Fotos auf TfP-Basis produziert hat. (Ich stelle meinen TfP-Vertrag gerne allgemein zur Verfügung.)

Und minderjährige Models?

... sollte der Fotograf bei TfP nur im Beisein mindestens eines erziehungsberechtigten Elternteils fotografieren und tunlichst die gefährliche Grenze zur Pornografie beachten. (Der Vertrag bei minderjährigen Models muss im Übrigen von allen Erziehungsberechtigten unterschrieben werden. Bei Alleinerziehenden ist dies üblicherweise dann auch das Jugendamt!). Meine Empfehlung ist ganz einfach: Models unter 16 Jahren werden nicht fotografiert.


Die Pflichten

Das man ein Shooting nicht wenige Stunden vor dem Start absagt oder gar nicht und ohne Absage zum Shooting erscheint, ist natürlich selbstverständlich. Viele Anfängermodelle, gerade Mädels die einfach nur Dank GeizIstGeil schnell und kostenlos ein paar Fotos für sich abgreifen wollen, und auch Amateur-Fotografen ("Knipser-Gilde") neigen aber leider genau dazu, wie man es leidvoll in den großen Karteien (model-kartei, stylished, one four model) immer wieder mitbekommt. Eine Vereinbarung zu einem Shooting ist aber eine Vereinbarung, die beiden Seiten einen gewissen Aufwand bereitet, und sollte darum wie jede andere Ehrensache auch erfüllt werden!

... des Fotografen

... des Models


Gedanken, aus der Erfahrung heraus...

Bei TfP hat das Model keine Kontrolle über die Bilder? Falsch, das ist bei "Pay", also bei einem bezahlten Shooting, so. Das Model hat eigentlich das Anrecht auf alle Bilder (nach Entsorgen der Fehlschüsse), und kann vom Fotografen auch verlangen und erwarten, das bestimmte Bilder nicht veröffentlicht und auch gelöscht werden. Dagegen kann der Fotograf nicht angehen, und wenn er ein fairer Mensch ist, weiß und akzeptiert er das auch. Ansonsten wäre sein Verhalten aus meiner Sicht im günstigsten Fall  als unseriös zu bezeichnen! Wichtig ist, eine solche Einspruchmöglichkeit zumindest mündlich, aber besser noch schriftlich im TfP-Vertrag zu fixieren.

Bei einem TfP-Shooting entstehen angeblich pro Stunde mehrere hundert Bilder und das Modell bekommt entsprechend hunderte von Bildern nach dem Shooting? Nun ja. Zwei Gedanken dazu...
Erstens: wenn hunderte von Bildern geschossen werden, spricht das erst mal nicht für den Fotografen und sein handwerkliches Können, sondern klingt ganz übel nach Powershooting (=Model wird sozusagen "abgeschossen". Irgendein Bild wird dann schon was taugen.).
Zweitens: wer soll in so einem Wust an Bildern nachher noch eine sinnvolle Top-Auswahl für eine Bearbeitung treffen, ohne Bildblind zu werden, selbst wenn gnadenlos die Müllbilder (Augen zu, unvorteilhafte Speckrolle, merkwürdigste Gesichtsausdrücke, etc.) ausgesiebt werden?
Drittens: Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel (gerade bei Shootings mit Kindern, Tieren oder mit Sport-Hintergrund entstehen natürlich Unmengen an Fotos)...

Bei TfP ist Akt nicht möglich? Unfug. Ich kenne viele und gute Models, die nur auf TfP-Basis arbeiten und "trotzdem" Akt und erotische Themen in ihren Bildern haben.

Bei TfP kann auch Teil der Bilder vom Shooting für das Model rein "privat" sein? Nun, das wiederspricht eigentlich dem Gedanken des TfP ("beide geben, beide nehmen"). Ich für meinen Teil jedoch akzeptiere solche Wünsche meistens (wenn nicht gerade in einer solchen Serie das Bild des Jahrhunderts dabei ist).

TfP ist automatisch ein Wunsch nach Akt seitens des Fotografen? Leider meistens ja, weil es so viele "Fotografen" auf dem Markt gibt die alle reich und berühmt mit ihren Nacktbildern werden wollen. Aber genau deswegen sollten vor einem Shooting die Shooting-Inhalte klar ausgesprochen werden. "Dann mal sehen", "hätte", "könnte", "beim nächsten Mal kannst Du Dich ja mal" und alle weiteren Konjunktive bringen nichts, Klartext ist angesagt.

Das Model macht Portrait und Mode/People-Fotografie als TfP, (Teil-)Akt aber nur als Pay? Dann sollte es sich nicht wundern, wenn der Fotograf von ihm für Portrait und Mode/People Geld sehen möchte und Akt auf TfP-Basis anbietet :-)

Nackt ist gleich Akt und Akt ist keine Erotik/Softcore? Leider falsch. Es lohnt sich, den Unterschied zwischen Nackt, Teilakt, Akt und erotischer Fotografie und der Grenze zu Softcore und Hardcore einmal zu ergründen.

Natürlich haben diese Bereiche alle fließende Grenzen, so sprechen viele zum Beispiel von "erotischer Aktfotografie" wenn ein Akt-Bild zu "heiß" ist. Aber eine grobe Kategorisierung ist trotzdem möglich und sollte den Fotografen und Models auch bekannt sein!

Mehr philosophische und aufklärende Gedanken zu TfP und seinem Hintergrund sind übrigens durch LaGarda hier sehr schön zusammengefasst worden.


So, aus meiner Sicht ist nun alles klar - hast Du vielleicht noch Fragen? Dann einfach fragen! :-)

Ansonsten findest Du hier noch weitere Informationstexte:


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